Die Marsch

In der Marsch gibt es durch den Gehalt des Bodens an Ton und Schluff nur eine ganz geringe Versickerung, aber durch die geringe Korngröße kann der Boden sehr viel Wasser festhalten. Ohne Deiche würde das Land bei Sturmfluten regelmäßig mit Salzwasser überflutet, so dass ein Baumwachstum kaum möglich ist. Durch das fehlende Gefälle würde das Wasser im
Winterhalbjahr kaum abfließen und auf weiten Flächen zur Niedermoorbildung führen, nurunmittelbar in Küstennähe würde sich eine Salzwiesenvegetation ausbilden.

Allerdings ist heute der weitaus größte Teil der Marsch eingedeicht. Dadurch wird derSalzwassereinfluss weitgehendferngehalten. Für den Wasserabfluss gibt es ein komplexes
System an Wasserläufen, die das Wasser zu den Sielen führen. Hier kann es ins Meer
entlassen werden. Auf jeder Fläche muss der Wasserablauf durch ein System von Grüppen
gewährleistet werden, heute werden diese traditionellen Systeme oft durch eine unterirdische
Drainage ersetzt. Das Wasser wird in Gräben geführt, die in aller Regel auch gleichzeitig die
Funktion der Grundstücksabgrenzung haben. Die Gräben führen zu den Tiefs, die das Wasser
zu den Sielen führen. Tiefs sind ehemalige natürliche oder künstlich angelegte größere
Gewässer, die das Wasser der Gräben aufnehmen und immer mit Wasser gefüllt sind. Bei
geschlossenem Siel steht das Wasser hier weitgehend, bei geöffnetem Siel können große
Strömungen auftreten.

Wasserrechtlich sind diese Gewässer in drei Kategorien eingeteilt. Schiffbare Gewässer sind
Gewässer erster Ordnung und werden von den Wasser- und Schifffahrtsämtern unterhalten.
Nur wenige unserer Binnengewässer gehören in diese Gruppe. Die Gewässer zweiter
Ordnung sind die für die Gesamtentwässerung wichtig und werden von den
Gewässerverbänden (Sielachten) regelmäßig unterhalten. Die Zugehörigkeit wird von den
Behörden festgelegt. Gräben mit mehreren Anliegern sind schließlich die Gewässer dritter
Ordnung, die von diesen Anliegern in regelmäßigem Turnus gepflegt werden müssen. Die
Gemeinde kann diese Gräben zu Schaugräben erklären, die müssen dann von den Anliegern
in jedem Herbst gereinigt werden. Anschließend werden sie „geschaut“, also durch die
Gemeinde kontrolliert.

Offene stehende Gewässer sind in der Marsch selten, nur in der Niedermoorzone zum
Geestrand hin gibt es einige ‚Meere’, die aber auch die Funktion des Wasserspeichers im
System haben. Unmittelbar vor dem Siel, vor allem vor Schöpfwerken, legt man gerne eine
größere Wasserfläche an. Sie wird Mahlbusen genannt und erhöht die Kapazität des Sieles, da
die Fließgeschwindigkeit des Wassers in den Tiefs geringer ist als der Sielabfluss.
Da die Marsch auch heute noch intensiv wasserwirtschaftlich bearbeitet wird, sind Spuren der
älteren Maßnahmen oft ausgelöscht. Noch oft erhalten sind die Oberflächendrainagen..
Natürliche Gewässerläufe aus der Zeit vor der Eindeichung verraten sich durch ihren
mäandrierenden Verlauf und durch die deutliche Talbildung. Alte Siele lassen sich an
Siedlungsnamen, Deichverläufen oder Straßenverläufen rekonstruieren. Alte Deiche verraten
sich durch die Änderung der Flurformen, auch wenn der Deichkörper längst abgetragen ist.
Aber sehr wichtige Hinweise kann man auch über das Flurnamenverzeichnis der
Ostfriesischen Landschaft erhalten. Wenn man dort den Namen ‚Siel’ in die Suchmaschine
eingibt, erhält man in den Flurnamen eine große Anzahl von Sielstandorten, die in der
Landschaft nur bedingt nachvollziehbar sind. Auch die Meere der Geestrandmoore werden
sichtbar unter der Bezeichnung ‚Meer’. Unter dem Stichwort ‚Deich’ erhält man eine
unüberschaubare Menge an Name.

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27.06.2012, 10:18 von fnoever | 31528 Aufrufe