Das Geest

Die ostfriesische Geest wird aus sehr unterschiedlichen Ablagerungen der älteren Eiszeiten
gebildet, hat aber überwiegend mit vielen sandigen Sedimenten recht gute Grundwasserleiter.
Allerdings erlauben die geringen Höhenunterschiede weder einen guten Oberflächenabfluss
noch einen schnellen Grundwasserstrom. Dadurch bedingt schwankt die Höhe des
Grundwasserspiegels im Boden sehr stark. Der tiefste Wert wird im Herbst erreicht, während
im Winter bis zum frühen Frühjahr das Grundwasser oft bis dicht unter die Oberfläche steigt.
Dies führte zu weitreichenden Moorbildungen, Niedermoore in den von den Gletschern
vorgeformten Talmulden und anderen Hohlformen, Hochmoore auch auf den abflussarmen
Flächen und schließlich auch über den Niedermooren.

Weite Teile der Geest waren damit früher unbewohnbar und die geringe Bodenqualität hat es
offenbar auch nicht attraktiv erscheinen lassen, hier durch wasserwirtschaftliche Maßnahmen
etwas zu ändern. Nur der Rand der Geest zur Marsch hin hatte eine natürliche Entwässerung
und war vor den Sturmfluten sicher. Er war deshalb schon immer eine wichtige Siedlungslinie
in unserer Landschaft.

Klöster haben ab dem 13. Jahrhundert in diesen Unlandbereichen der Geest Kultivierungsarbeit
geleistet. Erst ab dem 18. Jahrhundert führte der Bevölkerungsdruck und die in den
Städten wachsende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten zur systematischen
Kolonisation dieser Flächen. Beides setzte jeweils wasserwirtschaftliche Maßnahmen voraus,
deren Spuren manchmal noch zu finden sind.

Allerdings war das Wasser der Geest durch die weitreichende Vermoorung sehr sauer und
daher in der Marsch unbeliebt. Es musste deshalb möglichst so zu den Sielen geleitet werden,
dass die wertvollen Marschenböden dadurch nicht geschädigt wurden. Das „Alte Klostertief“
und der „Esens-Wittmunder Kanal“ nach Bensersiel sind dafür hervorragenden Beispiele.
Da auf der Geest landwirtschaftlich nicht so intensiv gearbeitet wurde wie in der Marsch, sind
die Spuren hier oft noch besser erhalten. Selbst die Spuren der mittelalterlichen
Kultivierungen der Klöster sind noch gut zu beobachten, vor allem wenn sie im 19.
Jahrhundert durch die Aufforstungen überdeckt wurden. Hier sind noch Grabensysteme und
Fischteiche nachzuvollziehen. Man muss dabei beachten, dass zahlreiche Moore durch
Torfstich oder einfach durch Trockenlegung und vollständiger Kultivierung vollständig
verschwunden sind und andere in ihrer Oberfläche abgesenkt wurden. Beträge von zwei
Metern Absenkung sind dabei durchaus realistisch. Dadurch erscheinen dann manche alte
wasserwirtschaftliche Spuren nicht mehr erklärbar.

27.06.2012, 10:17 von fnoever | 30124 Aufrufe